#Autorenwahnsinn, 14. Tag

Eines der wenigen Bücher, die ich mir in Papierform aus Deutschland mitgebracht habe. Schorlau nannte ich schon früher; diese Buch zu lesen fiel mir um so schwerer, als die geschilderten Vorfälle mir persönlich unter die Haut gehen. Ich habe es wesentlich langsamer gelesen als ich Krimis sonst lese, es ist auch ein eher anderes Buch, aber es lohnt sich.

Schorlau lässt seinen Detektiv die Aufdeckung der NSU-Gruppe von einer ganz anderen Seite her angehen – er verwendet viel authentisches Material, und ob nicht wieder einmal seine Geschichte näher an der Wahrheit ist als das, was man so zu wissen meint … wer weiß.

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Krimis lesen? Aber welche?

Heute morgen fragte das Rollstuhlfräulein nach Tipps auf diesem Gebiet. Twitter, fand ich, eigne sich da wenig, denn das Thema ist zu vielfältig.

Wo fange ich da an? Lesend begann ich bei dem, was der Bücherschrank meiner Großmutter hergab – nicht der meiner Eltern, die waren keine besonderen Krimi-Fans, vor allem meine Mutter nicht.

Daher kannte ich Wallace, Christie und Sayers schon recht früh. Heute würde allenfalls Sayers noch einmal lesen wollen, Christie wurde mir in der Struktur zu eintönig und Wallace – hm, vielleicht haben mich die Verfilmungen entwöhnt. Sayers nun wieder, insbesonders Lord Peter und seine Lady, fand bei mir eine Nachfolgerin in Elizabeth George, die wohl zu meinen Lieblingen gehört, auch wenn ihre neueren Bücher es mir manchmal etwas schwer machen. Seit „With no one as a witness“ habe ich mit Lynley so meine Probleme.

Ebenfalls aus UK kommen zwei Serienschreiber: Deborah Crombie und Ian Rankin – von beiden habe ich sehr viel gelesen, finde die neuen Bände jetzt zu oft nicht, insbesondere bei Crombie habe ich den Anschluss verloren.

Dann gibt es die Amerikaner, da wird es unübersichtlich. Faye Kellerman schreibt, was ich gerne selbst können möchte. Ihr Mann Jonathan ist auch nicht schlecht, aber nicht ganz so mein Geschmack.

Eine besondere Richtung: Pathologiekrimis. Die kann man mögen, muss man nicht. Ich habe die ersten Scarpetta-Romane von Patricia Cornwell begeistert gelesen, bis mir die Rahmenhandlung zu düster und unübersichtlich wurde. Scarpettas Depressionen gingen mir zum Schluss auf die Nerven. Kathy Reichs, auch Producerin von „Bones“ im TV, und ihre Tempe Brennan, bleibt da eher auf gleichem Niveau und macht oft Ausflüge in Themenbereiche, die ich sehr interessant finde. Sehr hart wird es bei Karen Slaughter – aber ihre handelnden Personen sind so interessant, dass ich doch immer versuche, den nächsten Band zu kaufen.

Jeremy Deaver war meine erste Empfehlung heute morgen, da auch nach Ermittlern mit Handycap gefragt wurde – sein Lincoln Rhyme, der seit einem Unfall völlig gelähmt ist, passte da sehr gut ins Profil. Mir gefällt aber auch, wie er erzählt.

Und deutsche Krimis? Hm. Ich habe immer mal wieder diesen oder jenen auf Empfehlung gekauft, aber werde bei vielen mit der Erzählweise und dem Aufbau nicht warm, auch wenn sie hochgelobt werden. Thematisch gefielen mir am besten Friedrich Ani und Wolfgang Schorlau. Letzterer verdient für die hellsehende Ermittlungsarbeit in „Das München-Komplott“ ein Sonderlob, und der Kiwi-Verlag für das Verlegen dieses Stoffes.

Dann gibt es die Skandinavien-Krimis – ein weites Feld. Mankells Wallander-Reihe habe ich verfolgt, auch wenn mir dessen trübe Stimmung oft zuviel war. Das gilt ja für viele der nordischen Helden. Nesser, Nesboe – wo soll ich da aufhören?

Einen Klassiker will ich noch erwähnen: Simeons Maigret. Vor allem im Original von mir sehr geliebt, leider nicht mehr in meinem Buchregal vorhanden, würden viele ihn heute wegen mangelnder Spannung und fehlenden Blutvergießens vielleicht weglegen, aber ich bin mit ihm immer zu gerne in verschiedensten Wetterlagen durch Paris gezogen.

Ich denke, das reicht für den Anfang, vielleicht für jede/n etwas dabei. Krimis sind beliebt, warum wohl? Das wäre schon ein weiterer Blogartikel, denke ich.

Gelesen: Schorlau, Das München-Komplott

Als die Demonstrationen gegen S21 niedergeknüppelt wurden, fiel mir in einem Artikel ein Verweis auf den Schriftsteller Wolfgang Schorlau auf. Warum ich ihn und seine Bücher früher nie gesehen hatte, ist mir im Nachhinein kaum begreiflich. Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch schon hier in Amman, konnte mich also nicht gleich ans Lesen machen.

Vor etwa vier Wochen stand ich dann in einer großen Münchener Buchhandlung vor dem Regal mit den Krimis und hatte bei seinen Werken die Qual der Wahl – alle zu kaufen erlaubte weder mein Budget noch die Gewichtsbegrenzung für mein Reisegepäck beim Rückflug.

Ich entschied mich für „Das München-Komplott“. Warum? Nun, es handelt sich um eine auf Tatsachen beruhende Handlung, genauer um den Terroranschlag auf das Oktoberfest im Jahre 1980, der angeblich von einem rechtsradikalen Einzeltäter verübt worden sein soll. Schorlau hat durch Aktenstudium eine davon abweichende Vorstellung bekommen und seine Idee, wie es gewesen sein KÖNNTE , in einen spannenden Roman um seinen Privatermittler Georg Dengler verwandelt. Der bekommt vom neuen Chef des BKA die Akten mit der Bitte, sich einzuarbeiten und zu sehen, was er  noch herausfinden kann.

Auch wenn Dengler sich anfänglich wundert, warum er sich mit einem seit so langer Zeit abgeschlossenen Fall beschäftigen soll, geht er ernsthaft an die Arbeit und stellt sehr bald Merkwürdigkeiten fest, die ihn weiter forschen lassen. Das gefällt einigen Leuten gar nicht, so dass es für ihn und andere, die sich ebenfalls mit den Machenschaften im und um den rechten Sumpf befassen, gefährlich wird.

Schorlau schrieb dieses Buch 2009. Nun, in den letzten Tagen, kommen Dinge zum Vorschein, die mit seiner Bearbeitung der Ereignisse geradezu gespenstische Ähnlichkeit aufweisen – bislang habe ich nur diese beiden Artikel gefunden, ich empfehle jedem, der sich dafür interessiert, das zu verfolgen – die deutsche Presse ist noch sehr zurückhaltend bei der Berichterstattung über das Luxemburger Verfahren.

Aber auch ohne das wäre mir dieser Krimi eine Empfehlung wert gewesen: gut lesbar geschrieben, nette Hauptpersonen, eine interessante Nebenhandlung um eine Staatssekretärin und politische Machenschaften. Letztere erscheinen vor dem Hintergrund der Vorgänge um die Ceska-Morde und die Bombenanschläge von Köln um so glaubhafter.

Nächstes Mal kommt wieder ein Schorlau auf meine Einkaufsliste.