#Autorenwahnsinn, 18. Tag

Ein Zitat aus meinem ersten Manuskript – diese Aufgabe brachte mich schon gestern zur Vorbereitung dazu, in mein gespeichertes Archiv zu tauchen, um dort das Manuskript zu suchen, das mein erster, bis zum Ende geschriebener Versuch ist. Leider noch immer unveröffentlicht – die Zeit ist etwas darüber hinweggegangen, was damals ein Skandal war, ist heute nahezu Alltag, und dennoch liebe ich diesen Text und hoffe immer noch, ihn einmal so umabeiten zu können, dass ich ihn veröffentlichen könnte. Der Arbeitstitel lautete: „Drohnen im Morgengrauen“. Ganz kurz geht es darum, dass die deutsche Regierung es zulässt – wenn nicht unterstützt – dass mithilfe ihrer Informationen, teilweise vom Bundesgebiet aus, durch amerikanische Drohnen Menschen gezielt getötet werden – Hinrichtung ohne Anklage, ohne Urteil.

Hier ein Auszug:

Noch war ein schwarzer Faden nicht von einem weißen zu unterscheiden, als Lichter in einem weitläufigen Gehöft in den Bergen des pakistanischen Nordwestens aufleuchteten. Der Ruf zum ersten Gebet hatte die Familien aufgeweckt.

Zunächst waren es wie immer die Frauen, die sich von den Charpois, den pakistanischen Betten mit dem geflochtenen Innenteil, erhoben. Die bunten Dupattas eng um sich geschlungen, setzte die eine den Tee auf, während eine andere Mehl und Wasser in einer irdenen Schüssel mixte, um den Teig für die Brotfladen zum Frühstück herzustellen.

Die Männer schlurften einer nach dem anderen über den Hof zum Badezimmer, wuschen sich für das Morgengebet. Auf dem mit Lehmziegeln gepflasterten Boden des Innenhofes stellten sie sich auf, jeder mit seinem Gebetsteppich. Der weißbärtige Alte stand als Imam vor der ersten Reihe, ließ einen der jüngeren den zweiten Ruf zum Gebet ausrufen: Qad qamatus-salah, das Gebet beginnt.

Es juckt mich in den Fingern, wieder daran zu arbeiten, auch wenn ich das meiste völlig erneuern müsste. Vieles hat sich in diesen sechs Jahren geändert …

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#Autorenwahnsinn, 15. Tag

Schreibratgeber – es gibt so viele und etliche, die ich mehr oder weniger kenne, habe ich heute schon auf den Bildern der anderen Teilnehmer gesehen. Daher hier zwei aus meinem Bücherschrank, die nicht so häufig genannt werden:

  1. Write away, von Elizabeth George (gibt es wohl auch auf deutsch): Meine Lieblings-Krimiautorin erzählt, wie sie ihre Bücher plant und schreibt – wer ihre Krimis kennt, findet das mit Sicherheit faszinierend. Ein Buch für Plotter – aber auch wenn ich mich nicht unbedingt dazuzähle, habe ich doch viel daraus gelernt und mein Exemplar ist schon recht zerlesen.
  2. Briefe an einen jungen Schriftsteller, Mario Vargas Llosa: Nicht das, was man gemeinhin unter einem Ratgeber versteht, kein Rezeptbuch, aber sicher für Schreibende ein Gewinn.

#Autorenwahnsinn, 9. Tag

Kann man wirklich sagen, dass man von einem bestimmten Autor inspiriert wird/wurde? Dann müsste ich Louisa May Alcott (Little Women) nennen, deren Jo die erste fiktive Gestalt war, die mir klar machte, dass all die Bücher, die ich so gerne las, ja auch von jemandem geschrieben werden müssten, und dass das eine tolle Sache ist. Wie alt war ich da? Vielleicht 10? Ich bin mir nicht mehr sicher. Das Buch, inzwischen auf englisch gemeinfrei, habe ich mir bei Gutenbergs heruntergeladen, weil ich die alte deutsche Ausgabe nicht mehr besitze.

Das gilt auch für einige Bücher eines anderen Autors, den ich wirklich bewundere – Heinrich Böll (dessen Bücher ich mir jetzt als eBooks kaufe, nur damit hier kein Missverständnis entsteht. Sowohl, wie ich gestern auf Twitter erwähnte, „Gruppenbild mit Dame“ als auch „Ansichten eines Clowns“ und insbesondere „Katharina Blum“ sind für mich besondere Bücher, zeitlos. Was aber Böll selbst angeht ist es die Tatsache, dass er nicht im Elfenbeinturm lebte, sondern eine dezidierte politische Meinung vertrat und mit seinen Büchern auch entsprechend etwas zu sagen hatte, der Grund, warum er bei mir fast ganz oben auf einer recht langen Liste steht, zumindest im Bereich der Belletristik.

Ähnlich steht es mit Grass, den ich zwar bisweilen schwer verdaulich finde, aber zumindest war er kein Drückeberger, wenn es um politische Stellungnahme ging.

Natürlich kann man sich kaum vornehmen, schreiben zu wollen wie solche Größen, aber ich finde es immer gut, wenn man noch zu jemandem aufschauen kann.

Da ich aber auch sehr gerne Krimis lese, möchte ich ein paar von mir besonders geschätzte Autoren nicht ungenannt lassen: W. Schorlau (dessen deutsche Krimis ich schätze, weil er sich nicht mit trübsinnigen Polizisten abgibt, sondern heiße Eisen recherchiert), Elizabeth George wegen ihrer feinziselierten Darstellungen, Faye Kellerman für sehr inspirierende Figuren … von AltmeisterInnen wie Dorothy Sayers mal ganz abgesehen!

Damit es aber nicht zu langweilig wird, mache ich hier Schluss – freue mich aber, falls jemand hier kommentieren mag, zustimmend, ablehnend oder über seine eigenen Lieblingsautoren!

 

#Autorenwahnsinn, 8. Tag

Lieblingsbücher – eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Ich stand vor meinem Regal, das seit meinem Umzug nach Amman ohnehin nicht so groß ist und fragte mich, welches Buch oder welche Bücher ich denn benennen sollte. Es sind drei geworden, die mir aus verschiedenen Gründen lieb sind; über zwei gibt es hier im Blog kurze Artikel, nämlich über Suna und Mornings in Jenin.

Der Gedichtband ist alt, aber immer noch oder schon wieder irgendwie aktuell. Den Autor habe ich auf einer Lesung von Wallraff etwa 1985 (ich kann mich um ein Jahr oder so irren) kennengelernt, weiß aber nicht, was aus ihm wurde, und der Name auf dem Buch ist ein Pseudonym.

Vielleicht fange ich nächsten Monat eine Liste von Lieblingsbüchern hier auf dem Blog an …

Krimis lesen? Aber welche?

Heute morgen fragte das Rollstuhlfräulein nach Tipps auf diesem Gebiet. Twitter, fand ich, eigne sich da wenig, denn das Thema ist zu vielfältig.

Wo fange ich da an? Lesend begann ich bei dem, was der Bücherschrank meiner Großmutter hergab – nicht der meiner Eltern, die waren keine besonderen Krimi-Fans, vor allem meine Mutter nicht.

Daher kannte ich Wallace, Christie und Sayers schon recht früh. Heute würde allenfalls Sayers noch einmal lesen wollen, Christie wurde mir in der Struktur zu eintönig und Wallace – hm, vielleicht haben mich die Verfilmungen entwöhnt. Sayers nun wieder, insbesonders Lord Peter und seine Lady, fand bei mir eine Nachfolgerin in Elizabeth George, die wohl zu meinen Lieblingen gehört, auch wenn ihre neueren Bücher es mir manchmal etwas schwer machen. Seit „With no one as a witness“ habe ich mit Lynley so meine Probleme.

Ebenfalls aus UK kommen zwei Serienschreiber: Deborah Crombie und Ian Rankin – von beiden habe ich sehr viel gelesen, finde die neuen Bände jetzt zu oft nicht, insbesondere bei Crombie habe ich den Anschluss verloren.

Dann gibt es die Amerikaner, da wird es unübersichtlich. Faye Kellerman schreibt, was ich gerne selbst können möchte. Ihr Mann Jonathan ist auch nicht schlecht, aber nicht ganz so mein Geschmack.

Eine besondere Richtung: Pathologiekrimis. Die kann man mögen, muss man nicht. Ich habe die ersten Scarpetta-Romane von Patricia Cornwell begeistert gelesen, bis mir die Rahmenhandlung zu düster und unübersichtlich wurde. Scarpettas Depressionen gingen mir zum Schluss auf die Nerven. Kathy Reichs, auch Producerin von „Bones“ im TV, und ihre Tempe Brennan, bleibt da eher auf gleichem Niveau und macht oft Ausflüge in Themenbereiche, die ich sehr interessant finde. Sehr hart wird es bei Karen Slaughter – aber ihre handelnden Personen sind so interessant, dass ich doch immer versuche, den nächsten Band zu kaufen.

Jeremy Deaver war meine erste Empfehlung heute morgen, da auch nach Ermittlern mit Handycap gefragt wurde – sein Lincoln Rhyme, der seit einem Unfall völlig gelähmt ist, passte da sehr gut ins Profil. Mir gefällt aber auch, wie er erzählt.

Und deutsche Krimis? Hm. Ich habe immer mal wieder diesen oder jenen auf Empfehlung gekauft, aber werde bei vielen mit der Erzählweise und dem Aufbau nicht warm, auch wenn sie hochgelobt werden. Thematisch gefielen mir am besten Friedrich Ani und Wolfgang Schorlau. Letzterer verdient für die hellsehende Ermittlungsarbeit in „Das München-Komplott“ ein Sonderlob, und der Kiwi-Verlag für das Verlegen dieses Stoffes.

Dann gibt es die Skandinavien-Krimis – ein weites Feld. Mankells Wallander-Reihe habe ich verfolgt, auch wenn mir dessen trübe Stimmung oft zuviel war. Das gilt ja für viele der nordischen Helden. Nesser, Nesboe – wo soll ich da aufhören?

Einen Klassiker will ich noch erwähnen: Simeons Maigret. Vor allem im Original von mir sehr geliebt, leider nicht mehr in meinem Buchregal vorhanden, würden viele ihn heute wegen mangelnder Spannung und fehlenden Blutvergießens vielleicht weglegen, aber ich bin mit ihm immer zu gerne in verschiedensten Wetterlagen durch Paris gezogen.

Ich denke, das reicht für den Anfang, vielleicht für jede/n etwas dabei. Krimis sind beliebt, warum wohl? Das wäre schon ein weiterer Blogartikel, denke ich.

Buchstöckchen

Dies fand ich bei Wibke Ladewig (sinnundverstand) und es gefiel mir so gut, dass ich nun unaufgefordert auch die Fragen beantworte:

Welches Buch liest Du momentan?

Meistens mehr als eins. Derzeit „Deception“ von Jonathan Kellerman, ein Krimi, den ich auch mit in den Garten nehme oder sonst eher nebenbei zu mir nehme. Dann Grass „Beim Häuten der Zwiebel“ – eher zur langsamen Lektüre gedacht, weil ich seltener deutschsprachige Literatur habe und auch aus Gründen des Stils ein wenig genießen will. Daneben immer mal wieder e-books, die ich geschenkt bekomme oder herunterladen kann – querbeet, bis eben war es ein Roman über Kenia 1939 – 1963. Interessant, aber dringend überarbeitungsbedürftig.

Warum liest Du das Buch? Was magst Du daran?

Kellerman – ich mag seinen „Alex Delaware“ und den Aufbau seiner Krimis, wobei ich die seiner Frau Faye noch bevorzuge. Vielleicht lerne ich dabei noch etwas für mich.

Grass – wie geschrieben, der Stil. Und ich lese ihn tatsächlich gerne, was ich früher nie gedacht hätte.

Wurde Dir als Kind vorgelesen? Kannst Du Dich an eine der Geschichten erinnern?

Ja, meine Mutter, vor allem aber meine Großmutter, haben mir viel vorgelesen. Aber was? Mit Sicherheit die Pixie-Bücher, so lange, bis ich sie auswendig konnte und dachte, ich könne nun selber lesen. Grimms Märchen, da bin ich mir auch sicher. Sonst? Vergessen. Leider. Das mag daran liegen, dass ich mir vier Jahren tatsächlich lesen gelernt hatte – mein Vater vollzog es später nach, da er sich daran erinnern konnte, dass er mir als Test eine Schlagzeile vorgelegt hatte: Hannover ist deutscher Fußballmeister. Das kam ja nicht so oft vor, dass er daran nicht das Jahr hätte herausfinden können.

Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den / die die Du mal regelrecht verliebt warst?

Über diese Frage habe ich nachgegrübelt. Nein, eigentlich nicht. Allenfalls Winnetou, aber da war ich neun.

In welchem Buch würdest Du gern leben wollen?

Wie Wibke schrieb, Fontane oder Austen – aber ohne die Probleme mit fehlendem Komfort. Effi Briests Berliner Etagenwohnung hätte mir schon gefallen können. Oder aber ganz woanders – dazu fällt mir nur gerade kein Titel ein.

Welche drei Bücher würdest Du nicht mehr hergeben wollen?

Diese Frage stellte sich mir so ähnlich als ich nach Amman umzog. Zum Glück durfte ich mehr als drei mitnehmen. Ein Buch, das ich mir mehrfach kaufte, weil ich es nach dem Verborgen nie wiederbekam, ist Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“. Ein Buch, das mir fehlt – inzwischen kann ich es zum Glück online lesen – ist Fontanes „Vor dem Sturm“. Und tatsächlich, Grass‘ „Vom Häuten der Zwiebel“ – habe ich nachgekauft, als ich im Frühjahr in Deutschland war, obwohl ich es schon mehr als einmal gelesen hatte, bevor es irgendwo verschwand.

Allerdings ist diese Aufzählung nicht abschließend.

Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

Zitate – nie meine starke Seite. Vielleicht wegen meines schlechten Gedächtnisses. Also bleiben wir bei meinem sehr geliebten Fontane: „Dies ist ein weites Feld, Luise.“

Schreibarbeiten

Seit Monaten sitze ich vor zwei halb fertigen Manuskripten. Bei beiden habe ich den Fehler begangen, aus lediglich einer Perspektive zu schreiben – das vermeidet zwar zunächst etliche Fehler, lässt mich aber das Endprodukt nicht mit Zufriedenheit lesen. Als es ans Überarbeiten ging, stellte ich fest, dass ich jeweils mindestens eine andere Sicht brauche, bei meinem wichtigeren Entwurf noch viel mehr.

Das heißt, ich muss beide völlig neu schreiben. Davor habe ich mich erst einmal gedrückt und verschiedene andere Texte geschrieben, aber ohne dabei etwas Vernünftiges zustande zu bringen, weil mir die beiden unfertigen Sachen auf der Seele liegen. Einfach in der Schublade vergraben? Bei beiden keine Alternative. Das eine ist als Beginn einer möglichen Serie gedacht, ich brauche diesen Band, das andere wiederum ist mir wegen des Grundthemas besonders wichtig. Gerade da hat sich, seit ich die erste Fassung schrieb, tatsächlich viel getan und das ein oder andere sollte/möchte ich auch im Roman berücksichtigen.

Daher liegt jetzt der Stapel ausgedruckter Blätter auf dem Tisch, ich habe angefangen, wenigstens die Personen beim ywriter anzulegen, und muss versuchen, die komplette Story völlig neu zu plotten. Dazu brauche ich etliche neue Personen. Komisch, die meisten Autoren, die ich kenne, beschweren sich, sie müssten beim Überarbeiten kürzen und wüssten nicht, wo. Ich habe eher das entgegengesetzte Problem: Ich muss einfügen, und weiß nicht, wo und wie.

Letzteres ist beim zweiten Manuskript der Hauptpunkt. Dort versuche ich, eine weitere handelnde Person mit eigener Perspektive einzuarbeiten, und das stellt sich als wesentlich verzwickter heraus, als ich angenommen hatte. Daher werde ich auch hier nicht darum herumkommen, wesentliche Teile völlig neu zu verfassen und auch am Ablauf der Handlung einiges zu ändern.

(Ein völlig sinnfreier Blogeintrag? Wer will das schon lesen? Macht nichts. Da hier niemand übers Schreiben redet, habe ich mich wenigstens ausgesprochen und finde so vielleicht mehr Klarheit.)