Drei Nachrufe und eine witzige Idee

Über einen anderen blog fand ich ein Video, das zu meiner Überraschung den Buchhandel in Kassel zum Thema hatte. Keine guten Nachrichten: drei alteingesessene Läden, in denen ich teilweise viel gekauft habe, existieren nicht mehr. In Kassel lässt sich schon lange ein Sterben des individuellen Einzelhandels beobachten, dass es auf dem Gebiet „Buch“ so schlimm ist, habe ich versäumt, dazu bin ich nicht oft genug mehr dort.

Von der Idee, Leute nach Ladenschluss zum nächtlichen Lesen, knabbern und diskutieren einzuschließen, meine ich aber woanders schon gehört zu haben. Hoffentlich hilft es.

Bei der Darstellung der Probleme, die sich durch die Konzentration auf wenige Riesensortimente ergibt, hat der freundliche Mann im Video m.E. einen Aspekt vergessen: durch die Festlegung der Verlage auf leicht Verkäufliches werden diese wiederum bei den Autoren Manuskripte daraufhin auswählen, ob sie in das Bild dieser Marktführer passen – und das gibt dann wirklich gemainstreamte Literatur.

Wer mag, kann ja hier seinen noch existierenden Lieblingsbuchladen reinsetzen. Nein, ich kriege nix dafür ;-).

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Wer liest was?

Alle, die schreiben oder verlegen fragen ja nach dem „Zielpublikum“ – zumindest, wenn sie damit Geld verdienen wollen. Und so befasst sich auch ein Artikel der NZZ mit geschlechtsspezifischem Leseverhalten. Frauen Romane, Männer Zeitungen und Sachbücher. Mir ist das etwas zu einfach gestrickt, schlimmer aber finde ich noch die Schlussfolgerung:

Die von Männern gelesenen Genres (Essay, Geschichtswerke, politische Bücher, klassische Literatur) entscheiden über den Rang von Zeitung oder Zeitschrift: Qualität ist männlich, beim Verfasser wie beim Rezensenten. Kaum je reüssieren Frauen als Schriftstellerinnen in Verlagen in diesen Gattungen, kaum je lesen Frauen als Leserinnen solche Bücher, selten rezensieren sie sie. Je mehr Männer im Programm, desto höher das intellektuelle Niveau, desto stolzer der Verlag, die Zeitung, die Zeitschrift auf sich selbst.

Die Verlage allerdings kalkulieren zunehmend mit der Romanleserin und dem aus ihrer Leselust zu ziehenden Gewinn. Höchstens die von Männern bevorzugte biografische Literatur hält einem Vergleich damit stand. Goethe, Napoleon, George sind sichere Investitionen. Gattungen hingegen, die wie der Essay historisches Wissen nicht erst vermitteln, sondern es voraussetzen, scheinen auszusterben. Den Essay ersetzt ein neuer Typ von Ratgeber- und Sachbuch, der aus weiblicher Moral und männlichem Pragmatismus gemacht ist, in dem es um Kindererziehung, Mobbing, Doping, Altenpflege, Geldanlagen geht. Je nach Familienstand und Beschäftigungslage kann sich der weibliche oder männliche Leser sein Thema aussuchen. Der «all-age-literature» wäre so eine «unisex-literature» an die Seite zu stellen – eine Literatur, die Moral und Lebensbericht, pragmatische Unterweisung und Erzählung verbindet und die Wiedervereinigung der Geschlechter vorbereitet. Vorläufig aber gilt noch für das Verhältnis von Mann und Frau die Devise: vereint leben, getrennt lesen.

Ist das wirklich noch immer so?

Und brauchen wir die künstliche Kreation einer „unisex-literature“? Scheußlicher Begriff, noch scheußlicherer Gedanke, dass dann gezielt nach Autoren gesucht würde, die diese angebliche Martklücke füllen sollen.

Oder sehe ich das falsch?

Die Zukunft des Buchmarkts

Alem Grabovac schreibt im „Freitag“ über Kleinverlage und die Zukunft des Buches. Daraus entspinnt sich eine spannende Diskussion – mal sehen, ob da was nachkommt.

Insbesondere befasst sich der Bericht aber mit der Vorstellung von zwanzig Kleinverlagen in Berlin beim Literarischen Colloqium.

Und zu entdecken gab es wahrlich genug. Der Verlag Voland & Quist aus Dresden veröffentlicht zum Beispiel hauptsächlich Lesebühnenliteratur, Spoken Word Lyrik wie die „Surfpoeten“ und Romane junger kroatischer Autoren, von denen man insbesondere Edo Popović großartiges Buch Ausfahrt Zagreb-Süd gelesen haben sollte. Der Zürcher bilgerverlag zeigt, dass die Schweizer Literaturszene mehr als Martin Suter und Urs Widmer zu bieten hat. Der kookbooks Verlag von Daniela Seel besticht durch das außergewöhnliche postmoderne Design seiner Bücher. Die Romane und Lyrikbände dieses Verlags sind so schön gestaltet, dass man sie alleine wegen ihrer künstlerischen Ästhetik kaufen und lesen möchte. Matthes & Seitz aus Berlin hat in diesem Jahr damit begonnen, das mehrtausendseitige Werk des Insektenforschers Jean-Henri Fabre zu verlegen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die wahrscheinlich poetischsten und schönsten Tierbeschreibungen verfasst hat, die jemals geschrieben wurden. Und die Edition supposé hat sich gar ganz vom geschriebenen Wort entfernt, um mit ihren faszinierenden Hörproduktionen an die orale Tradition in der Literaturgeschichte anzuknüpfen.

Schöner Artikel.

Klett-Cotta: über das Finden eines Verlages

Dank eines tweets fand ich dieses Interview mit Frank Wegner vom Klett-Cotta-Verlag, der recht ausführlich über Verlagsprogramm und Wunschmanuskripte sprach.

Für mich eher überraschend: ich kannte Klett lange vor allem aus dem klassischen und dem Schulbuchsortiment. Die Fantasy-Schiene war mir gar nicht bekannt (gut, vielleicht, weil ich die nicht wirklich lese), und es gibt auch besondere Krimis.

Viel Spaß beim Lesen!

Irgenwo muss man ja anfangen …

Nun habe ich mir diesen blog zugelegt, weil mir immer mal wieder interessante Dinge übers Net zugehen, zu denen mir etwas einfällt, die ich gerne aufheben oder auf die ich verweisen können möchte.

Daher wird das hier sicher ein buntes Allerlei, im Zentrum stehen aber Themen wie Bücher, Schreiben, Buchmarkt, Presse.

Über Kommentare und/oder Tipps freue ich mich.

Mit der Einrichtung des blogs und der Technik probiere ich noch ein wenig, es kann also sein, dass die Seite plötzlich ganz anders aussieht. Nicht verwirren lassen!