#Metwo

Heute wurde unter #Metwo über Alltagsrassismus getwittert. Ich schlich um den Hashtag herum, weil ich ja einerseits weiß bin und sämtliche Vorfahren meines Wissens irgendwo im Nordhessischen geboren wurden, aber ich irgendwann gesellschaftlich ausgebürgert wurde.

Es ging los, als ich durch Heirat einen türkischen Doppelnamen erwarb. Von da an durfte ich beim Stromversorger Kaution zahlen, mir beim Wohnungssuchen dumme Sprüche anhören und als ich Arbeit suchte, kam die Frage, ob ich den Doppelnamen nicht bitte weglassen könnte (die Option gab es zum Zeitpunkt meiner Heirat nicht). Das war in den Achtzigern und frühen Neunzigern. Was während meiner Zeit im Brandenburgischen mit meinem Namen abging – geschenkt.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich, nachdem ich Muslima geworden war, doppelt heftig angegangen werden würde. Einerseits kamen die netten Fragen, die heute mehrfach bei Twitter auftauchten, à la: „Woher können Sie denn so gut Deutsch?“, „Woher kommen Sie denn? Aus Kassel, nein, ich meine, wirklich?“, andererseits erklärte mir einmal eine ältere Dame (Zimmernachbarin im KH): „Also, entweder sind Sie keine Deutsche, oder Sie müssen das Ding da abziehen. Beides geht nicht.“

Passkontrollen, Handgepäckdurchsuchungen am Flughafen, mich lieben sie immer besonders. München meide ich völlig, seit man mich zwingen wollte, direkt offen mein Kopftuch abzunehmen. Kabine? Hammer nich.

Ich lese alle diese Kurzberichte. Mir wird wieder die Luft knapp, obwohl ich ja zum Glück nicht mehr in Deutschland wohne. Nein, ich habe es nicht ausgehalten. Es war schlicht zu viel. Vor allem nach den Scherben in der Keupstraße vor unserer Wohnung.

Vor kurzem dann dieses Urteil. Kein bisschen ist herausgekommen, wer den Bombenlegern diese Straße als erstrebenswertes Angriffsziel benannt hat: eine Straße, wo am hellen Sommernachmittag gegen 16 Uhr jede Menge türkischstämmiger Käufer und Geschäftsleute mit einer Bombe erwischt werden könnten. Man hat mich ausgelacht, als ich auf die Ceska-Morde verwies, weil das Opferprofil übereinstimmte. 2011 lachten sie nicht mehr.

Und jetzt Özil und das, was da an Rassismus rausquillt, online, offline …

Dieser Text ist absichtlich unfertig; es gibt – noch – kein Ende.

Werbeanzeigen

Autor: rheinsberg

http://about.me/susanne.doering

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s