#Autorenwahnsinn, 18. Tag

Ein Zitat aus meinem ersten Manuskript – diese Aufgabe brachte mich schon gestern zur Vorbereitung dazu, in mein gespeichertes Archiv zu tauchen, um dort das Manuskript zu suchen, das mein erster, bis zum Ende geschriebener Versuch ist. Leider noch immer unveröffentlicht – die Zeit ist etwas darüber hinweggegangen, was damals ein Skandal war, ist heute nahezu Alltag, und dennoch liebe ich diesen Text und hoffe immer noch, ihn einmal so umabeiten zu können, dass ich ihn veröffentlichen könnte. Der Arbeitstitel lautete: „Drohnen im Morgengrauen“. Ganz kurz geht es darum, dass die deutsche Regierung es zulässt – wenn nicht unterstützt – dass mithilfe ihrer Informationen, teilweise vom Bundesgebiet aus, durch amerikanische Drohnen Menschen gezielt getötet werden – Hinrichtung ohne Anklage, ohne Urteil.

Hier ein Auszug:

Noch war ein schwarzer Faden nicht von einem weißen zu unterscheiden, als Lichter in einem weitläufigen Gehöft in den Bergen des pakistanischen Nordwestens aufleuchteten. Der Ruf zum ersten Gebet hatte die Familien aufgeweckt.

Zunächst waren es wie immer die Frauen, die sich von den Charpois, den pakistanischen Betten mit dem geflochtenen Innenteil, erhoben. Die bunten Dupattas eng um sich geschlungen, setzte die eine den Tee auf, während eine andere Mehl und Wasser in einer irdenen Schüssel mixte, um den Teig für die Brotfladen zum Frühstück herzustellen.

Die Männer schlurften einer nach dem anderen über den Hof zum Badezimmer, wuschen sich für das Morgengebet. Auf dem mit Lehmziegeln gepflasterten Boden des Innenhofes stellten sie sich auf, jeder mit seinem Gebetsteppich. Der weißbärtige Alte stand als Imam vor der ersten Reihe, ließ einen der jüngeren den zweiten Ruf zum Gebet ausrufen: Qad qamatus-salah, das Gebet beginnt.

Es juckt mich in den Fingern, wieder daran zu arbeiten, auch wenn ich das meiste völlig erneuern müsste. Vieles hat sich in diesen sechs Jahren geändert …

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