Gelesen: Schorlau, Das München-Komplott

Als die Demonstrationen gegen S21 niedergeknüppelt wurden, fiel mir in einem Artikel ein Verweis auf den Schriftsteller Wolfgang Schorlau auf. Warum ich ihn und seine Bücher früher nie gesehen hatte, ist mir im Nachhinein kaum begreiflich. Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch schon hier in Amman, konnte mich also nicht gleich ans Lesen machen.

Vor etwa vier Wochen stand ich dann in einer großen Münchener Buchhandlung vor dem Regal mit den Krimis und hatte bei seinen Werken die Qual der Wahl – alle zu kaufen erlaubte weder mein Budget noch die Gewichtsbegrenzung für mein Reisegepäck beim Rückflug.

Ich entschied mich für „Das München-Komplott“. Warum? Nun, es handelt sich um eine auf Tatsachen beruhende Handlung, genauer um den Terroranschlag auf das Oktoberfest im Jahre 1980, der angeblich von einem rechtsradikalen Einzeltäter verübt worden sein soll. Schorlau hat durch Aktenstudium eine davon abweichende Vorstellung bekommen und seine Idee, wie es gewesen sein KÖNNTE , in einen spannenden Roman um seinen Privatermittler Georg Dengler verwandelt. Der bekommt vom neuen Chef des BKA die Akten mit der Bitte, sich einzuarbeiten und zu sehen, was er  noch herausfinden kann.

Auch wenn Dengler sich anfänglich wundert, warum er sich mit einem seit so langer Zeit abgeschlossenen Fall beschäftigen soll, geht er ernsthaft an die Arbeit und stellt sehr bald Merkwürdigkeiten fest, die ihn weiter forschen lassen. Das gefällt einigen Leuten gar nicht, so dass es für ihn und andere, die sich ebenfalls mit den Machenschaften im und um den rechten Sumpf befassen, gefährlich wird.

Schorlau schrieb dieses Buch 2009. Nun, in den letzten Tagen, kommen Dinge zum Vorschein, die mit seiner Bearbeitung der Ereignisse geradezu gespenstische Ähnlichkeit aufweisen – bislang habe ich nur diese beiden Artikel gefunden, ich empfehle jedem, der sich dafür interessiert, das zu verfolgen – die deutsche Presse ist noch sehr zurückhaltend bei der Berichterstattung über das Luxemburger Verfahren.

Aber auch ohne das wäre mir dieser Krimi eine Empfehlung wert gewesen: gut lesbar geschrieben, nette Hauptpersonen, eine interessante Nebenhandlung um eine Staatssekretärin und politische Machenschaften. Letztere erscheinen vor dem Hintergrund der Vorgänge um die Ceska-Morde und die Bombenanschläge von Köln um so glaubhafter.

Nächstes Mal kommt wieder ein Schorlau auf meine Einkaufsliste.

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