Gelesen: Elizabeth George – This Body of Death

Seit Jahren bin ich ein Fan ihrer Havers/Lynley-Reihe. Ja, ich nenne die beiden Scotland-Yard-Beamten absichtlich in dieser Reihenfolge. Auch wenn Lynley der Vorgesetzte ist, je länger ich die Serie verfolge, desto mehr stelle ich fest, dass Havers weitaus interessanter und für die Lösung der Fälle durch ihre unkonventionelle Art auch wichtiger ist als der Lord. Georges gelingt es, ganz subtil hier eine Frau einen großen Anteil am Fall haben zu lassen, ohne deshalb einen dieser in den letzten Jahren ja zunehmenden Standard-Krimis mit Kommissarin verfassen zu müssen.

Um so mehr bedauere ich eigentlich das Auftauchen Isabell Ardrys in diesem nunmehr sechzehnten Band der Reihe. Auf der einen Seite freue ich mich, dass Lynley wieder so weit sich vom Tode seiner Frau Helen (die ich schon auch manchmal nervig fand) erholt hat, auf der anderen hätte es für mich aber nicht eine solche Anti-Figur gebraucht. Weder ihr Alkoholproblem noch die – teilweise unrealistische – Situation mit ihrem geschiedenen Mann und den Kindern passen so wirklich zum Buch. Für eine Nebenfigur wie DI Steward mag das angehen, für eine Hauptperson gefiel es mir gar nicht. Lynleys Verhalten ihr gegenüber könnte man seiner derzeitigen emotionalen Situation zurechnen, aber selbst dazu ist es zu uncharakteristisch.

Der Fall selbst, eine junge Frau, erst seit kurzem in London lebend, wird auf einem Friedhof tot aufgefunden. Die Ermittlungen gehen in verschiedene Richtungen, da einerseits an ihrem Todestag es wohl recht lebhaft auf dem Friedhof war, andererseits auch ihre überstürzte Abreise aus ihrem Heimatort nicht nur dort Fragen aufwirft.

Dazwischengeflochten sind chronologische Teile eines Berichts über einen recht üblen Fall eines Kidnappimgs – ein Stilmittel, das mir beim ersten Lesen überhaupt nicht zusagte und zwar neugierig macht, aber bis fast ans Ende des Buches keinen Zusammenhang erkennen lässt. Ein in meinen Augen nicht wirklich gelungenes Experiment.

Und trotzdem – bei all diesen Kritikpunkten ist es wieder ein ziemlich typischer George-Krimi. Die Dialoge, die Beschreibungen, die Nebenhandlungen sind wieder mehr wie gewohnt. In einigen der letzten Bände hatte ich dies vermisst, vor allem „Careless in Red“ fand ich schwer zu lesen.

Erfreulich, dass meine Lieblingsnebenfigur, Barbara Havers kleine Nachbarin Hadiyya, wieder eine Rolle spielt – die Interaktion dieser beiden ist mir immer eine Freude.

Insgesamt: wer diese Serie mag, wird sich sicher mit mir freuen.

Ich habe hier recht lange auf dieses Buch warten müssen, so dass inzwischen wohl schon der nächste Band erschienen ist. Wieder mit Lynley – ich hoffe, ich kann bald erfahren, wie es mit ihm und den beiden Damen weitergeht.

3 Gedanken zu „Gelesen: Elizabeth George – This Body of Death

  1. Ja, an Isabell Ardry werden sich die Fans der Serie wohl noch häufig reiben – so sie denn ein Teil davon bleibt. Mir ging es beim Lesen ja auch nicht anders. Vor allem, weil sie dem Thomas nicht gut tut, der aber so kaputt ist, dass er sich nicht dagegen wehren kann. Eine echte Schande! Dafür hat mir Barbara in diesem Teil aber ausnahmslos gut gefallen. Die Shoppingtour war einfach herrlich! Mehr davon!🙂
    Und ich kann dich beruhigen: noch ist kein weiterer Band herausgekommen. Du bist also auf dem neusten Stand.😉

    • Ach ja, die Barbara, die gehört eh glücklich verliebt. Am besten natürlich in den Thomas, weil die sich schön gegenseitig ergänzen und ausgleichen. Aber das wäre wohl zu einfach. Das würde la George so garantiert nicht schreiben. *seufz*
      Ich bin jetzt aber doch etwas geschockt, dass der nächste Band erst im Januar erscheint. Sonst war das doch immer irgendwann im Herbst, oder? Noch sooooo lange warten? Das ist voll gemein!

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