Schwestern – WiP

Zum ersten Mal seit langer Zeit etwa 900 Wörter  weitergeschrieben. Es ist mein Herzensprojekt und ich würde es zu gerne beenden, und in Bestform. Drei Tage vergingen mit Nachlesen und Nachdenken, bis ich irgendwie den Faden wieder fand. Dabei fiel mir ein generelles Problem auf, das ich beim Überarbeiten lösen muss: der zeitliche Ablauf. Wetter, Feiertage und so weiter müssen zur Handlung passen. Ich hatte mir bei Scrivener ursprünglich schon einen Kalender einkopiert, aber das war tatsächlich 2014. Ich merke schon, dass ich während der letzten drei, vier Jahre fast nichts mehr geschrieben habe. Jetzt muss ich sehen, wie ich Ramadan und Schuljahr anlege, damit alles einen Sinn ergibt. Aber es ist ein gutes Gefühl, die Sätze wieder auf dem Papier entstehen zu sehen. Die Szene für Morgen sehe ich irgendwie schon vor mir – mal sehen, wie ausführlich die Beschreibungen werden, beim Übersetzen bin ich oft froh, wenn sie kürzer sind, aber hier ist einiges vielleicht doch angebracht. Das wäre mal eine Frage für spätere TestleserInnen.

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Schwestern – WiP

Ein älteres NaNo-Projekt, das mir nicht aus dem Kopf geht. Es hat mehr als die 50k, die ich zum Gewinnen brauchte, aber es ist alles andere als fertig – Szenen in der Mitte fehlen, das Ende ebenfalls und mit einer Wendung der Handlung bin ich im Nachhinein nicht recht glücklich, ebenso mit vielen Details. Aber die Grundidee nagt an mir. Ich setze einmal ein kurzes Zitat hier hin, ich freue mich über jedes Wort dazu und wünsche mir nichts mehr als eine Art Schreibbuddy, jemanden, der sich dafür interessiert, liest, fragt … aber sonst muss es wohl halt auch ohne gehen.

Kurzer Inhaltshinweis: Christine sieht sich gezwungen, nach dem Tod ihrer Mutter, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, ihre fast zehn Jahre jüngere Schwester Hannah bei sich aufzunehmen. Ihre Elten hatten sich scheiden lassen, als ihre Mutter zum Islam konvertierte, Christine deshalb lieber bei ihrem Vater bleiben wollen. Nun ist sie da, und Christines Freundin Cleo ruft an.

Ihr Telefon klingelte. Cleo.

„Gut, dass du anrufst.“

„Warum? So schwierig mit der Kleinen?“

„Nein – und ja.“ Wie sollte sie das erklären? Hannah tat eigentlich nichts, worüber man sich vernünftigerweise beschweren konnte.

„Komm, spuck’s aus, erst mal ins Unreine.“

Christine musste lachen, das war typisch Cleo. Es tat ihr gut. Bei Hannah, das fiel ihr jetzt auf, nahm sie sich bei jedem Satz zusammen, nur, um nichts Falsches zu sagen. Bei Cleo konnte sie wieder reden, wie ihr zumute war.

„Cleo, ich habe eine vollmuslimische Schwester. Du weißt schon, immer so ein langer Mantel mit Riesenkopftuch, fünfmal am Tag beten, bei allem, was gegessen wird, genau gucken, dass auch bloß kein Schwein oder auch nur falsch geschlachtetes Hähnchen drin ist. Gruselig. Eigentlich. Aber sie macht das so lieb, dass ich mich mies fühle, wenn ich das so sage. Sie kocht alles selbst – und es schmeckt super. Die Küche blitzt hinterher, ich musste fast betteln, abtrocknen zu dürfen. Und wer bin ich, dass ich mich über ihre Kleidung oder ihre Gebete beschwere? Nur, weil ich es so verdammt peinlich fand, mit ihr in der xxx-Schule aufzutauchen und sie dort als meine Schwester anzumelden? Die haben kein Kopftuch in der ganzen Schule!“

Kurze Stille am anderen Ende der Leitung.

„Au weiah. Ich dachte, du würdest mit bauchfreien Tops, Schulschwänzen und schrägen Freunden, gepaart mit Heimweh und Heulattacken, konfrontiert werden. Aber das! Da fällt einem nicht viel ein.“

„Danke. Ich weiß nicht recht, was ich mit ihr anfangen soll. Es geht alles so glatt, nur ist mir so vieles eigentlich in der Seele zuwieder. Ich WILL einfach nicht neben so einem Gespenst in der Straßenbahn sitzen, und mich von so einer Schulsekretärin angucken lassen, wie der letzte Dreck. Warum zum Teufel kann sie das nicht einfach bleiben lassen? Beten, ok, da macht sie die Tür zu und gut ist. Aber diese bescheuerte Verkleidung? Und ich habe keine Ahnung, was als nächstes kommt.“

„Vermutlich Probleme in der Schule. Wenn nicht mit den Noten, dann mit anderen Schülern. Oder mit den Lehrern, der Schulleitung …“

„Da sagst du was. Der Direktor kriegte schnell mit, wie es mir mit dem ganzen Theater geht, er hätte sie wohl am Liebsten gar nicht aufgenommen. Aber allzu deutlich will er sich da auch nicht positionieren, sowas kann ja schnell in die Öffentlichkeit kommen und dann sieht er schlecht aus. Mal sehen, ob ihm etwas einfällt. Oder ob einfach das Umfeld da sie überzeugt.“

Soweit das.

 

 

 

#Metwo

Heute wurde unter #Metwo über Alltagsrassismus getwittert. Ich schlich um den Hashtag herum, weil ich ja einerseits weiß bin und sämtliche Vorfahren meines Wissens irgendwo im Nordhessischen geboren wurden, aber ich irgendwann gesellschaftlich ausgebürgert wurde.

Es ging los, als ich durch Heirat einen türkischen Doppelnamen erwarb. Von da an durfte ich beim Stromversorger Kaution zahlen, mir beim Wohnungssuchen dumme Sprüche anhören und als ich Arbeit suchte, kam die Frage, ob ich den Doppelnamen nicht bitte weglassen könnte (die Option gab es zum Zeitpunkt meiner Heirat nicht). Das war in den Achtzigern und frühen Neunzigern. Was während meiner Zeit im Brandenburgischen mit meinem Namen abging – geschenkt.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich, nachdem ich Muslima geworden war, doppelt heftig angegangen werden würde. Einerseits kamen die netten Fragen, die heute mehrfach bei Twitter auftauchten, à la: „Woher können Sie denn so gut Deutsch?“, „Woher kommen Sie denn? Aus Kassel, nein, ich meine, wirklich?“, andererseits erklärte mir einmal eine ältere Dame (Zimmernachbarin im KH): „Also, entweder sind Sie keine Deutsche, oder Sie müssen das Ding da abziehen. Beides geht nicht.“

Passkontrollen, Handgepäckdurchsuchungen am Flughafen, mich lieben sie immer besonders. München meide ich völlig, seit man mich zwingen wollte, direkt offen mein Kopftuch abzunehmen. Kabine? Hammer nich.

Ich lese alle diese Kurzberichte. Mir wird wieder die Luft knapp, obwohl ich ja zum Glück nicht mehr in Deutschland wohne. Nein, ich habe es nicht ausgehalten. Es war schlicht zu viel. Vor allem nach den Scherben in der Keupstraße vor unserer Wohnung.

Vor kurzem dann dieses Urteil. Kein bisschen ist herausgekommen, wer den Bombenlegern diese Straße als erstrebenswertes Angriffsziel benannt hat: eine Straße, wo am hellen Sommernachmittag gegen 16 Uhr jede Menge türkischstämmiger Käufer und Geschäftsleute mit einer Bombe erwischt werden könnten. Man hat mich ausgelacht, als ich auf die Ceska-Morde verwies, weil das Opferprofil übereinstimmte. 2011 lachten sie nicht mehr.

Und jetzt Özil und das, was da an Rassismus rausquillt, online, offline …

Dieser Text ist absichtlich unfertig; es gibt – noch – kein Ende.

#Autorenwahnsinn – Schreibziele

Der letzte Tag des Autorenwahnsinns im Januar sowie der erste Freitag im Februar fragten nach Schreibzielen – für das Jahr und für den Monat. Ich bin um die Frage herumgeschlichen – ich schreibe noch immer nicht wieder regelmäßig und scheine mich auch nicht recht entscheiden zu können, welchem meiner Projekte ich den Vorzug geben soll.

Am nervenschonendsten wäre sicher mein Jordanien-Projekt. Dazu wünsche ich mir wirklich ein oder zwei „Schreibbuddies“, die mir helfen, meiner Betriebsblindheit zu entgehen: nach fast acht Jahren fallen mir hier viele Dinge gar nicht mehr auf, mir fehlt oft das Gespür dafür, was erwähnenswert ist und was doch schon selbstverständlich.

Weniger gemütlich wäre es, wenn ich eines meiner Romanprojekte vollenden oder neuschreiben wollte – die sind alle eher anstrengend, sei es, dass sie sich mit Drohnenmorden, Bomben in friedlichen Städten oder privateren Unglücken befassen.

Erstes Problem: wie kriege ich mich noch zum Schreiben in meinem Stil, wenn ich den ganzen Tag beim Übersetzen tausende Wörter lang versucht habe, den Stil und die Stimme anderer Autoren zu übertragen? Manchmal mag ich abends einfach meinen Laptop nicht mehr sehen. Nein, mit der Hand zu schreiben ist keine Alternative, habe ich versucht, aber meine Hand mag das nicht. Vielleicht sollte ich mutig sein und lieber mit meinen eigenen Sachen morgens beginnen? Das wird die Entscheidung für die nächsten Tage …

Und dann könnte ich vielleicht absehen, wie lange ich rechne, dass ich für das dann auf dem Tisch liegende Projekt brauchen werde. Wenn mir nicht wieder das Leben dazwischenkommt!

#Autorenwahnsinn, 18. Tag

Ein Zitat aus meinem ersten Manuskript – diese Aufgabe brachte mich schon gestern zur Vorbereitung dazu, in mein gespeichertes Archiv zu tauchen, um dort das Manuskript zu suchen, das mein erster, bis zum Ende geschriebener Versuch ist. Leider noch immer unveröffentlicht – die Zeit ist etwas darüber hinweggegangen, was damals ein Skandal war, ist heute nahezu Alltag, und dennoch liebe ich diesen Text und hoffe immer noch, ihn einmal so umabeiten zu können, dass ich ihn veröffentlichen könnte. Der Arbeitstitel lautete: „Drohnen im Morgengrauen“. Ganz kurz geht es darum, dass die deutsche Regierung es zulässt – wenn nicht unterstützt – dass mithilfe ihrer Informationen, teilweise vom Bundesgebiet aus, durch amerikanische Drohnen Menschen gezielt getötet werden – Hinrichtung ohne Anklage, ohne Urteil.

Hier ein Auszug:

Noch war ein schwarzer Faden nicht von einem weißen zu unterscheiden, als Lichter in einem weitläufigen Gehöft in den Bergen des pakistanischen Nordwestens aufleuchteten. Der Ruf zum ersten Gebet hatte die Familien aufgeweckt.

Zunächst waren es wie immer die Frauen, die sich von den Charpois, den pakistanischen Betten mit dem geflochtenen Innenteil, erhoben. Die bunten Dupattas eng um sich geschlungen, setzte die eine den Tee auf, während eine andere Mehl und Wasser in einer irdenen Schüssel mixte, um den Teig für die Brotfladen zum Frühstück herzustellen.

Die Männer schlurften einer nach dem anderen über den Hof zum Badezimmer, wuschen sich für das Morgengebet. Auf dem mit Lehmziegeln gepflasterten Boden des Innenhofes stellten sie sich auf, jeder mit seinem Gebetsteppich. Der weißbärtige Alte stand als Imam vor der ersten Reihe, ließ einen der jüngeren den zweiten Ruf zum Gebet ausrufen: Qad qamatus-salah, das Gebet beginnt.

Es juckt mich in den Fingern, wieder daran zu arbeiten, auch wenn ich das meiste völlig erneuern müsste. Vieles hat sich in diesen sechs Jahren geändert …

#Autorenwahnsinn, 15. Tag

Schreibratgeber – es gibt so viele und etliche, die ich mehr oder weniger kenne, habe ich heute schon auf den Bildern der anderen Teilnehmer gesehen. Daher hier zwei aus meinem Bücherschrank, die nicht so häufig genannt werden:

  1. Write away, von Elizabeth George (gibt es wohl auch auf deutsch): Meine Lieblings-Krimiautorin erzählt, wie sie ihre Bücher plant und schreibt – wer ihre Krimis kennt, findet das mit Sicherheit faszinierend. Ein Buch für Plotter – aber auch wenn ich mich nicht unbedingt dazuzähle, habe ich doch viel daraus gelernt und mein Exemplar ist schon recht zerlesen.
  2. Briefe an einen jungen Schriftsteller, Mario Vargas Llosa: Nicht das, was man gemeinhin unter einem Ratgeber versteht, kein Rezeptbuch, aber sicher für Schreibende ein Gewinn.

#Autorenwahnsinn, 14. Tag

Eines der wenigen Bücher, die ich mir in Papierform aus Deutschland mitgebracht habe. Schorlau nannte ich schon früher; diese Buch zu lesen fiel mir um so schwerer, als die geschilderten Vorfälle mir persönlich unter die Haut gehen. Ich habe es wesentlich langsamer gelesen als ich Krimis sonst lese, es ist auch ein eher anderes Buch, aber es lohnt sich.

Schorlau lässt seinen Detektiv die Aufdeckung der NSU-Gruppe von einer ganz anderen Seite her angehen – er verwendet viel authentisches Material, und ob nicht wieder einmal seine Geschichte näher an der Wahrheit ist als das, was man so zu wissen meint … wer weiß.